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Copyright© Vera Reith, Diplom-Hydrologin, November 2018

Klimawandel

Wasserversorgung in Trockenzeiten

Das Jahr 2018 bescherte uns wieder eine ganze Reihe von Wetterextremen. Nicht nur, dass es deutschlandweit der zweitwärmste Sommer nach 2003 war, es war auch der Sommer mit den zweitniedrigsten jemals gemessenen Niederschlägen. Dementsprechend fielen die Flusspegelstände auf ein Rekordniveau. Die Bilder von trockengefallenen Flussbetten haben wir noch vor Augen.
Manch besorgter Zeitgenosse in Südbaden fragte sich: „Wird die Dreisam nun zum Wadi? Oder zum nur noch periodisch wasserführenden Gewässer? Und wie sieht es mit der Wasserversorgung in diesen Trockenzeiten aus?“

Niederschlagssituation im Jahr 2018
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) fielen im Sommer 2018 gemittelt auf die Fläche Deutschlands 130 l/qm Niederschlag. Gewohnt sind wir rund das Doppelte. Nur der Sommer 1911 war mit 124 l/qm noch trockener. (Kleine Anmerkung am Rande: Damals waren sowohl die Niederschlagsmesser wie auch die Regeln für das Aufstellen dieser Geräte und das Messnetz selbst anders, was erst rechnerisch ausgeglichen werden muss.) Die Trockenperiode setzte sich in den Herbstmonaten September und Oktober fort. Beispielsweise fielen in Baden-Württemberg im September nur 40 l/qm statt der mittleren 70 l/qm und im Oktober 30 l/qm statt 68. Deutschlandweit gab es große Unterschiede. Mancherorts fielen weniger als 1 l pro qm und Monat, bei Berchtesgaden dagegen fielen in 24 Stunden 72,5 l/qm.
Die Mittelwerte, bzw. die sogenannten langjährigen Mittel, errechnet der DWD jeweils aus einer 30-jährigen Zeitreihe, in der Regel ist dies die Periode von 1961 bis 1990.
So weit zur aktuellen Niederschlagssituation. Wie viel des Niederschlags dem Grundwasser zugute kommt, ist noch einmal eine andere Frage. Denn vom Niederschlag muss man die Verdunstung abziehen, die hoch war, da auch die Temperaturen hoch waren. Außerdem geht eine gewisse Menge als Abfluss verloren. Dieser Abfluss ist um so höher, je zeitlich ungleichmäßiger der Niederschlag verteilt ist. Von einem starken Gewitterguss geht viel in den Abfluss und wenig versickert im Boden. Daneben spielen zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle.

Grundwasserneubildung
1999 wurde der Arbeitskreis „Klimaveränderung und Wasserwirtschaft“ (KLIWA) von den Umweltlandesbehörden der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern in Zusammenarbeit mit dem DWD gegründet. Hessen schloss sich später an. KLIWA hat 2017 einen Bericht „Entwicklung von Bodenwasserhaushalt und Grundwasserneubildung“ veröffentlicht. Darin werden aufgrund von Messdaten aus den Jahren 1951 bis 2015 und des Simulationsmodells GWN-BW Prognosen für die künftige Entwicklung der Grundwasserneubildung in verschiedenen Gebieten erstellt. Zunächst wurde eine mittlere Grundwasserneubildung der 4 Bundesländer für die Periode von 1951 bis 2010 von 174 mm pro Jahr festgestellt. Zum Vergleich: Die mittlere Niederschlagsmenge in Baden-Württemberg (Periode 1951 – 1980) betrug stolze 969 mm pro Jahr! Schließlich ergab sich für den Zeitraum 2011-2015 für Baden-Württemberg in der Grundwasserneubildung ein Minus von 14%, für Hessen bereits ein Minus von 31%.
Doch die Situation muss differenzierter und regionaler betrachtet werden. So verfügt beispielsweise der südliche Oberrheingraben über ein sehr ergiebiges Grundwasservorkommen. Die quartären Schotter des Rheingrabens können sehr viel Wasser speichern. Anders sieht die Situation im Südschwarzwald aus. Die Klüfte des kristallinen Gesteins können nur wenig Wasser speichern. Das Grundwasser des Südschwarzwalds wurde deshalb als gering ergiebig eingestuft. Während es laut KLIWA für Gebiete mit ergiebigem Grundwasservorkommen auch zukünftig keine Probleme geben wird, muss für Gebiete mit einem gering ergiebigem Grundwasservorkommen mit einer Reduktion der Grundwasserneubildung von 20% gerechnet werden.

Wasserversorgung in Freiburg
Die 226.000 Einwohner zählende Stadt Freiburg wird von nbNETZE, einer Tochtergesellschaft der Badenova, mit Wasser versorgt. Dafür stehen 13 Tiefbrunnen in 2 Gebieten, Hausen im Rheingraben und Ebnet im Dreisamtal, zur Verfügung. Diese Gebiete zählen zu den ergiebigen Grundwasservorkommen. Das müssen sie auch, denn alleine für Freiburg werden tagtäglich 51 Mio Liter Wasser gefördert! Am Institut für Hydrologie der Universität Freiburg errechnete man sogar einen Bilanzüberschuss des Grundwassers im Bereich des Wasserwerks Hausen, wenigstens für die Jahre bis 1996. Das heißt, es wurde mehr Grundwasser neu gebildet, die Grundwasserpegel stiegen. Da die durchschnittliche Verweilzeit eines Wasserteilchens im Einzugsgebiet von Hausen mit 18 Jahren angegeben wird, profitierte man dort bislang - zusätzlich zum ohnehin vorhandenen Wasserschatz - noch von früheren wasserreichen Jahren.

Wasserversorgung im Südschwarzwald
Der 1.800 Einwohner zählende Luftkurort St. Märgen im Südschwarzwald hat außer einem Ortskern eine ausgedehnte Streubesiedlung. Zur Gemeinde zählen rund 200 Schwarzwaldhöfe, davon saßen dieses Jahr mindestens 7 zeitweise auf dem Trockenen. Und das ist den letzten Jahren wiederholt passiert. Die Wasserversorgung betreibt die Gemeinde in Eigenregie. Nun hat der Gemeinderat ein 20.000 Euro teueres Strukturgutachten in Auftrag gegeben. Es soll klären, wie es in den nächsten 30 Jahren mit der Versorgungssituation weiter gehen kann, denn die Höfe sollen ja langfristig bewohnbar bleiben. Ob neue Quellen erschlossen werden können, oder ob Verbundleitungen zu umliegenden Gemeinden die bessere Lösung sind, soll sich dann zeigen. In jedem Fall werden auf die Gemeinde Kosten zukommen, die sie nicht alleine wird tragen können.

Fazit
Weite Teile der Bevölkerung werden auch in Zukunft nicht von einem Wassermangel betroffen sein. Somit mag der besorgte Zeitgenosse aus Südbaden beruhigt sein. Doch ein kleiner Teil der Bevölkerung ist heute schon von einem Wassermangel betroffen. Hier wird sich die Situation verschärfen. Damit diese Regionen bewohnbar bleiben, werden teuere Investitionen nötig sein. So verursacht der Klimawandel Kosten, die wir alle mittragen werden.

Gewässerschutz

Tomaten als Indikator für Gewässerverunreinigungen?

Ob in der Elbe bei Magdeburg oder in der Dreisam bei Freiburg man kann in diesem Spätsommer 2015 ein merkwürdiges Phänomen beobachten: Tomatenpflanzen sprießen aus dem Fluss! Zu Dutzenden recken sich die Triebe mit den kleinen gelben Blütchen 40 bis 50 cm aus den trockenen Kies- oder Sandbänken empor. Gelbe und rote, kleine und große Früchte finden sich. Wer hat sie da angepflanzt? Handelt es sich etwa um „Urban Gardening“? ...mehr

Verbraucherschutz

Bericht zur Gefährlichkeit von Glyphosat 2014 erstellt

Im Januar 2014 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen neuen Bewertungsbericht über den im Pflanzenschutz eingesetzten Wirkstoff Glyphosat der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übergeben. Dieser Bericht kommt zu dem Schluss, dass Glyphosat ungefährlich für die Gesundheit sei und dass deshalb einer weiteren Zulassung des Wirkstoffes nichts im Wege stehe. ...mehr



Ackerbau und Fungizide

Resistenzbildungen und der neue Fungizidwirkstoff Xemium

2013

BASF hat im vergangenen Jahr einige neue Fungizide mit dem Wirkstoff Xemium auf den Markt gebracht. Dazu gehören die Handelsprodukte "Adexar" und "Imbrex", die im Getreideanbau zum Beispiel gegen Echten Mehltau, Braunrost, Halmbruchkrankheit und weitere Pilzerkrankungen eingesetzt werden können Im Folgenden wurden einige Fakten über den neuen Wirkstoff und allgemeine Informationen zur Resistenzbildung zusammengestellt. ...mehr



Landwirtschaft

Neue Wirkstoffe im Pflanzenschutz 2012

An der vordersten Front bei der Einführung neuer Wirkstoffe stehen wie schon in den letzten Jahren die Fungizide. Mit weitem Abstand folgen die Insektizide. Obwohl einige in den letzten Jahren neu in Deutschland angekommene Schädlinge - man denke nur an den Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera), die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), die Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa) und der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) - für Aufsehen sorgten, gibt es auf diesem Gebiet nur wenig Neuentwicklungen. Auch von den Herbiziden hört man kaum Neues, hier ist Glyphosat noch immer Marktführer. Im Folgenden sollen einige Neueinführungen vorgestellt werden. ...mehr




Umweltschutz

Urangrenzwerte

Erstmals wurde in Deutschland ein verbindlicher Grenzwert von 10 µg/l für Uran im Trinkwasser festgelegt. Wie ist dieser Wert einzuschätzen? Die Thematik um Urangrenzwerte soll in diesem Artikel näher beleuchtet werden. ...mehr